Ein Blick hinter die Kulissen einer Göttinger Tradition
Was bedeutet es eigentlich, das Gänseliesel zu sein – die wohl bekannteste Symbolfigur Göttingens?
Im Jubiläumsjahr des Gänseliesel-Brunnens ist Charleen Florijn seit einigen Monaten im Amt und repräsentiert die Stadt bei Veranstaltungen, Festen und besonderen Anlässen. Im Interview erzählt sie, warum sie sich für diese besondere Rolle beworben hat, welche Begegnungen sie besonders berührt haben und was Göttingen für sie so lebenswert macht.
Liebe Charleen, würdest Du Dich unseren Website-Nutzer*innen kurz vorstellen?
Ich heiße Charleen Florijn, bin 29 Jahre alt und habe mich bei meinem ersten Besuch in Göttingen im Jahr 2022 direkt in die Stadt verliebt. Ein paar Jahre später und nach viel Pendelei bin ich dann auch hergezogen und habe Göttingen zu meiner Wahlheimat gemacht. Wenn ich gerade nicht als Gänseliesel unterwegs bin, arbeite ich als Journalistin und Moderatorin, gehe wandern oder bin in Cafés.
Was hat Dich dazu motiviert, Dich als Gänseliesel zu bewerben?
Ich finde es toll, dass die Stadt Göttingen so ein besonderes Wahrzeichen hat, das jede:r kennt, das nah an den Menschen ist und so viel Identifikation stiftet. Ich sehe das Amt als eine großartige Chance, mich in meiner Stadt einzubringen, eine Stimme zu sein für die Göttinger:innen und der Stadt, die mich mit offenen Armen empfangen hat, etwas zurück zu geben.
Welche Erwartungen hattest Du an das Amt – und wie erlebst Du Deine ersten Monate als Gänseliesel?
Ich bin mit der Erwartung in das Amt gestartet, als Gänseliesel aktiv das Leben in unserer Stadt mitzugestalten. Besonders berührend waren für mich die spontanen Gespräche auf der Straße, die Begegnungen mit Kindern und die vielen Anekdoten, die Menschen in Göttingen mit dem Gänseliesel verbinden.
Auf welchen Veranstaltungen durftest Du Göttingen bisher repräsentieren?
Schon in den ersten Monaten durfte ich viele besondere Momente erleben: einen Gottesdienst in St. Johannis mitgestalten, den Martinsumzug und das Lichterfest begleiten, beim Schmücken des Weihnachtsbaums helfen, die Weihnachtsmarkt-Eröffnung miterleben und das Neujahrskonzert des Göttinger Symphonie Orchesters besuchen.
Welche Erlebnisse sind Dir seit Amtsbeginn besonders positiv in Erinnerung geblieben?
Ein besonders schöner Moment war für mich die Übergabe des Publikumspreises beim Europäischen Filmfestival. Gerade weil viele Besucher:innen von außerhalb angereist waren, konnte ich ihnen dabei auch etwas über unser Wahrzeichen und seine Bedeutung für Göttingen erzählen.
Gab es eine Begegnung, die Dich besonders berührt oder überrascht hat?
Als meine Familie mich in Göttingen besucht hat, durfte Gans Greta nach einem Auftritt bei ihnen im Hotel übernachten. Als die Putzkraft sie entdeckte, hat sie sich riesig gefreut und gesagt, es sei eine Ehre, die Gans des Gänseliesels beherbergen zu dürfen. Das fand ich sehr rührend.
Welche Veranstaltungen waren bislang besonders spannend oder außergewöhnlich?
Besonders in Erinnerung geblieben ist mir das Neujahrskonzert des Göttinger Symphonieorchesters. Ich durfte dem Solisten als Gänseliesel ein kleines Dankeschön aus Göttingen überreichen und das Konzert miterleben. Das war so beeindruckend und schön, dass ich dort künftig sicher häufiger zu Gast sein werde.
Wie reagieren die Menschen auf Dich, wenn Du als Gänseliesel unterwegs bist?
Viele reagieren im ersten Moment verdutzt, wenn sie eine so echt wirkende Gans sehen. Umso mehr freue ich mich, wenn Menschen dann offen auf mich zukommen und das Gespräch suchen. Die meisten verbinden etwas ganz Persönliches mit dem Gänseliesel – und herauszufinden, was das ist, finde ich besonders spannend.
Wirst Du auch im Alltag ohne Dein Gänseliesel-Outfit erkannt?
Tatsächlich kommt es schon vor, dass Menschen mein Gesicht aus der Zeitung oder von Social Media kennen. Ich hatte schon die Situation, dass ich im Büro auf der Toilette angesprochen wurde mit: „Bist du nicht das Gänseliesel?“
Gibt es etwas, das Du zukünftigen Gänselieseln mit auf den Weg geben würdest?
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass in Göttingen viele Türen für das Gänseliesel offenstehen und es viel Raum für eigene Ideen gibt. Wer Lust hat, sich einzubringen, eigene Veranstaltungen anzuregen und Menschen zusammenzubringen, für den ist dieses Amt genau das Richtige.
Was macht Göttingen für Dich besonders liebens- und lebenswert?
Ich mag es, dass die Stadt so überschaubar ist, trotzdem aber so viel zu bieten hat: Kultur, Wissenschaft, Sport. Was Göttingen aber für mich besonders macht, sind die Menschen hier: offen, zugewandt, lebensfroh und engagiert.
Ob beim Martinsumzug, auf dem Weihnachtsmarkt oder beim Neujahrskonzert – Charleen füllt das Amt des Gänseliesels mit viel Herz, Offenheit und Engagement. Ihre Geschichten zeigen, wie lebendig diese Göttinger Tradition auch nach 125 Jahren noch ist und wie sehr sie Menschen miteinander verbindet.
Wer Lust hat, selbst einmal in diese besondere Rolle zu schlüpfen, sollte vor allem eines mitbringen: Freude am Austausch, Ideenreichtum – und ganz viel Begeisterung für Göttingen.