Anlässlich des Jubiläums nehmen wir den sozialen Kontext des Gänseliesels in den Blick. Treffpunkt am Platz der Synagoge um 15 Uhr.

Das Mädchen mit den Gänsen im Korb ist zwar eine Kunstfigur und hat kein konkretes Göttinger Vorbild, ruft aber Vorstellungen von der „Gänsemagd“ in Erinnerung, die ihre (oder ihr anvertraute) Tiere auf dem Marktplatz zum Verkauf anbietet. Sie gehört damit im weiteren Sinne zu den Tier-Hüter*Innen, die im wirtschaftlichen Leben der Stadt eine wichtige, aber wenig beleuchtete Rolle spielten. Noch ein weiterer Brunnen wurde diesem Berufszweig gewidmet: Der Hirtenbrunnen am Groner Tor, den Wilhelm Rathkamp 1914 stiftete. Er soll der Zielpunkt des Rundganges sein. Der Anfang ist am Platz der Synagoge geplant, wo die Hirtenhäuser der Stadt und der Maschgemeinde standen. Die Masch-Siedlung wurde um 1450 im Bereich eines städtischen Weideangers gegründet und bildete bis 1938 ein „Dorf in der Stadt“, da die alte Realgemeinde, die die Weideflächen und Gehölze des einstigen Dorfes Burggrona verwaltete, weiterhin die Gewinne daraus an die „Reiheberechtigten“, also die Inhaber einer Hausstelle in den Maschstraßen ausschüttete. Die Gemeinde beschäftigte einen eigenen Hirten und einen Förster. Darüber hinaus wohnten der städtische Kuh- und der Schweinehirte im Maschviertel. In der Vorgängersiedlung am Steinweg sind auch Schäfer belegt.

Auf dem Rundgang soll die Geschichte des Hirtenwesens und der Schäferei in Göttingen thematisiert werden, die bisher eher ein Randthema der Stadtgeschichte waren, obwohl Kühe und Schweine selbstverständlich zum vormodernen Straßenbild dazugehörten. Auch Fragen des Gemeinbesitzes und des kollektiven Wirtschaftens in der Spätzeit der frühneuzeitlichen Dorfgemeinde werden zur Sprache kommen, denn die Existenzberechtigung der Maschgemeinde wurde schon im 19. Jahrhundert in Frage gestellt, und eine Aufteilung des Gemeindebesitzes verlangt.