Zum 125. Geburtstag des Göttinger Gänseliesels hat uns ein ganz besonderer Gruß erreicht. Renate Marquardt, geborene Stephan, war 1953 gerade einmal 14 Jahre alt, als sie bei der Göttinger 1.000-Jahr-Feier das Gänseliesel verkörperte. Mehr als sieben Jahrzehnte später erinnert sie sich noch immer lebhaft an diesen außergewöhnlichen Tag.
Ein unvergesslicher Festumzug
Für den großen historischen Festumzug trug Renate Marquardt ein eigens angefertigtes Kleid aus grauer Honau-Seide und nahm auf einem Festwagen Platz. Der Umzug führte durch Göttingen und wurde von zahlreichen Menschen am Straßenrand begleitet. Die Rufe, die Begegnungen und die besondere Aufmerksamkeit machten den Tag für das damals 14-jährige Mädchen zu einem unvergesslichen Erlebnis. Sogar in der Schule schrieb sie anschließend einen Aufsatz darüber.
Auch das Kostüm erzählt eine typisch pragmatische Geschichte: „Eine Göttingerin verschwendet nichts!“. Aus der edlen Honau-Seide wurde später eine Bluse für Renate Marquardts Mutter genäht.
Heute lebt Renate Marquardt in Lindau am Bodensee. Mit ihrem Brief gratuliert sie dem Gänseliesel zum 125. Geburtstag und schickt herzliche Wünsche an ihre Heimatstadt. Ihre Worte zeigen, wie tief die Erinnerungen an Göttingen, den Marktplatz und das Gänseliesel bis heute verwurzelt sind.
Persönliche Erinnerungen an Göttingen
In ihrem Brief nimmt uns Renate Marquardt mit zurück in das Jahr 1953. Sie erzählt von ihrem großen Auftritt, ihrem Erinnerungsalbum und ihrer bis heute gebliebenen Verbindung zu Göttingen.
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Lindau, August 2026
Liebe Göttingerinnen, liebe Göttinger,
zum 125. Geburtstag des Gänseliesels auf dem Marktplatz grüßt aus Lindau am Bodensee das Gänseliesel der 1000-Jahr-Feier im Jahr 1953!
1953! Das war ein wichtiges Stadtereignis und für mich 14-jähriges Mädchen ein unvergessenes Jugenderlebnis. Ich musst in der Schule auch einen Aufsatz darüber schreiben. Ihr werdet mir glauben, dass ich mich im inzwischen schon hohen Alter noch lebhaft an diesen großen Tag erinnere. Eine Kinderfreundin aus frühen Jahren werde ich in der nächsten Woche treffen, und ihr könnt Euch denken, worüber wir reden werden. Vielleicht blättern wir auch das Erinnerungsalbum durch mit einem Bild vom Gänseliesel im Festumzug auf der Titelseite des Göttinger Tageblatts!
Zum diesjährigen großen Geburtstag wünsche ich meiner Heimatstadt und allen, die das Gänseliesel mögen, in der Zukunft nur Gutes: in Landespolitik, Wirtschaft, Wissenschaft und den anderen noch wichtigeren privaten Angelegenheiten.
Möge es Euch allen unter oberbürgermeisterlicher Führung wohl ergehen!
Eine Nebenbei-Bemerkung sei mir erlaubt: eine Göttingeren verschwendet nichts! Mein Gänseliesel-Kostüm war aus grauer Honau-Seide geschneidert. 1955 ist aus dem edlen Material eine Bluse für meine Mutter geworden.
Möge die Stadt weiter wachsen und die Bürger und Bürgerinnen oft Grund haben, fröhlich zu feiern, auf dem Markplatz, vor dem Rathaus, beim Gänseliesel.
Neben meinem verstorbenen Mann ist für mich auch ein Platz in Göttingen bereit. In nicht allzu ferner Zukunft kehre ich heim.
Es grüßt herzlich und fast ein bisschen sentimental geworden
das Gänseliesel von 1953
Renate Marquardt, geb. Stephan
PS: sollte von Eurem großen Fest etwas im Göttinger Tageblatt stehen (Hallo Niedersachen sab es 1953 noch nicht), werden es sicherlich meine Kusinen lesen und mich wissen lassen!
Herzlich R. M.
Liebe Frau Marquardt, vielen Dank für Ihren herzlichen Brief, Ihre persönlichen Erinnerungen und die guten Wünsche zum Jubiläum.
Ihre Geschichte verbindet das Festjahr 1953 auf ganz besondere Weise mit dem 125. Geburtstag unseres Gänseliesels im Jahr 2026.
Bildnachweise: Foto Renate Marquardt © Renate Marquardt; Foto GT-Zeitungsartikel © Städtisches Museum Göttingen